"GUSEN"

In den Jahren 1940-1945 existierte in den Gemeindegebieten von Langenstein, St. Georgen an der Gusen, Luftenberg und Katsdorf (Bezirk Perg, Oberösterreich) der NS-Konzentrationslager-
komplex Gusen mit den Lagern Gusen I, II und III.

Unter der Bezeichnung „Konzentrationslager Mauthausen / Unterkunft Gusen“ stellte Gusen eine sowohl in Größe als auch hinsichtlich der Opferzahlen mehr als „ebenbürtige“ Parallelstruktur des wenige Kilometer entfernten Konzentrationslagers Mauthausen mit einer gemeinsamen Verwaltungszentrale in St. Georgen/Gusen dar.
 



Überlappende Luftaufnahmen des Konzentrations- lagerkomplexes Gusen bzw. des heutigen Gusen.
© christoph mayer chm. unter Verwendung von Luftaufnahmen der National Archives and Records Administration (NARA), Washington, D.C. und des digitalen oberösterreichischen Rauminformationssystems (DORIS)


Gusen I und II waren extrem opferreiche Schauplätze der NS-Vernichtungsmaschine innerhalb der Grenzen des heutigen Österreichs, so genannte „Lager ohne Wiederkehr“. Etwa 37.000 der rund 120.000 auf heutigem Staatsgebiet zu Tode gekommenen KZ-Opfer mussten im Umfeld der KL Gusen I, II & III ihr Leben lassen: vor allem politische Gegner des NS-Regimes aus ganz Europa, in den letzten beiden Kriegsjahren aber auch viele aus Konzentrationslagern wie Auschwitz deportierte Juden, darunter zahlreiche Kinder. Sie alle starben an den „Arbeits“- und Lagerbedingungen, an Unterernährung, Seuchen, oder wurden Opfer von SS-Angehörigen und Kapos: durch Totbaden, Erfrieren, Ertränken, Erschlagen oder durch Giftgas.

Vermutlich ist Gusen das einzige NS-Konzentrationslager dieser Dimension, dessen Areal und bauliche Überreste heute nicht als Gedenkstätte fungieren. Abgesehen vom Memorial der italienischen Architektengruppe B.B.P.R., erbaut in den 1960-er Jahren, und dem erst 2004 eröffneten Ausstellungsraum /Besucherzentrum erinnert heute nämlich kaum mehr etwas an die Gräuel, die auf Gusener Boden geschahen. Seit Kriegsende werden die noch bestehenden ehemaligen Lagergebäude von Unternehmen oder privat genutzt, umgebaut oder abgetragen.
Der Boden des Areals wurde als Baugrund für Wohnhäuser gewidmet.

 
 
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