Überlappende Luftaufnahmen des Konzentrations-
lagerkomplexes Gusen bzw. des heutigen Gusen.
Bearbeitung: (C) christoph mayer chm., Bildgrundlage: (C) H. P. Jeschke, Memorial Landscape Mauthausen /Gusen


Der AUDIOWEG GUSEN thematisiert als begehbare „Skulptur“ des Künstlers christoph mayer chm. das verschüttete Gedächtnis eines Ortes, auf dem sich während der NS-Diktatur die Konzentrationslager Gusen I und II befanden. Die Besucher des AUDIOWEGs GUSEN rekonstruieren dieses Gedächtnis anhand persönlicher Erinnerungen Überlebender, von Zeitzeugen aus der lokalen Bevölkerung, aber auch von Tätern und ehemaligem Wachpersonal. Sie hören mittels Kopfhörer deren Stimmen, den abstrahierten Klang der Landschaft und die Beschreibung ihrer Bestimmung im Drittes Reich, während sie durch das Gelände des ehemaligen Lagerkomplexes gehen.

 



Die heutige Gartenstraße in Gusen säumten zwischen 1940 und 1945 die Baracken des Lagers Gusen I.
© christoph mayer chm.


Sie hören, was nicht mehr zu sehen ist. Denn bis auf das Memorial in Gusen, errichtet auf Initiative ehemaliger Häftlinge, und einiger nicht näher gekennzeichneter Gebäude präsentiert sich die Landschaft heute als schlichtes Wohngebiet. Auf dem ehemaligen Lagergelände haben Einfamilienhäuser die Baracken ersetzt und Gusen in einen Ort des Nachkriegsösterreichs verwandelt. Wo einst SS-Angehörige und Kapos Tausende Menschen zu Tode quälten, spielen heute Kinder in den Vorgärten.
Als Besucher des Projektes wird man sich Kopfhörer und ein Abspielgerät ausleihen und sich auf den auditiv vermittelten AUDIOWEG GUSEN machen. Während der Wanderung durch das heutige Gusen, sind die Stimmen der Zeitzeugen, Täter und Opfer zu hören, die unter der Dramaturgie des Ars acoustica Experten und Funkautoren Andreas Hagelüken systematisch mit den Menschen und ihrer Geschichte in der Landschaft von damals wie heute vertraut machen. Der von Kai-Uwe Kohlschmidt komponierte Soundtrack verstärkt den Prozess der umfassenden Erfahrung des Ortes und der mit ihm verbundenen, menschlichen Schicksale. Komposition, Berichte und Erzählung schaffen zusammen einen Korridor zwischen der heute vorherrschenden „Normalität“ und der historischen Bürde dieser Gegend. Die Erfahrung radikaler „Unstimmigkeit“ des Sichtbaren und der (im Gehörten präsenten) Geschichte macht die Unfassbarkeit – des Grauens wie des Versuchs es zu vergessen – deutlich und initiiert möglicherweise eine nachhaltige Diskussion dazu.





christoph mayer chm. (links) mit dem Gusen-Überlebenden Stanislaw Leszyinski an jener Stelle, an der „seine“ Häftlingbaracke stand (Block 23). © Jens Alpermann


Idee und Realisierung:
christoph mayer chm. und
Projektgruppe „ein so genanntes Nebenlager“, in Kooperation mit dem Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, dem Bundesministerium für Inneres, der Marktgemeinde St. Georgen/Gusen, der Gemeinde Langenstein, dem Kulturverein Tribüne St. Georgen an der Gusen und dem Gedenkdienstkomitee Gusen.



 
 
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